Donnerstag, 15. Oktober 2009

Book Fair, Bronxville und Boston

Ihr Lieben, die letzten Wochen waren einmal wieder verrückt.
Die liebe Feli hat mich vor zwei Wochen mit einem Besuch beehrt. Ich habe in dieser Woche das erste Mal unterrichtet und einen großen Bücherbasar organisiert, daher hatte ich leider nicht so viel Zeit. Zu allem Überfluss bin ich dann auch noch krank geworden, logisch, es kommt ja immer alles auf einmal. Das Unterrichten verlief eher süß-sauer. Ich habe 4 Kurse mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen unterrichtet. Meine Aufgabe war es, einen Gastvortrag über irgendein kulturelles Thema in Deutschland zu halten. Und da es grade so aktuell ist, habe ich das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls als Anlass genommen, den Amis mal ein wenig Ostkultur zu vermitteln. Da ich aber nicht 2 Stunden vor der Klasse referieren wollte, habe ich das ganze wie eine Unterrichtsstunde aufgezogen, sogar mit Test am Ende (zur Belohnung gab Storck Riesen für die ganze Mannschaft, man könnte es Bestechung nennen, aber soweit würde ich nicht gehen:). Jedenfalls ist mir dabei mal wieder einmal bewusst geworden, dass Amerikaner wirklich keine Sprachtalente sind und das 2 Semester Intensiv-Deutschkurs keinesfalls bedeutet, dass sie einer einfachen deutschen Konversation folgen können. Die höheren Kurse hingegen haben meine Stunde mit Applaus honoriert (die Süßigkeiten hatten damit ja nun wirklich absolut nichts zu tun!).
Neben einem Konzertbesuch bei "The Riffles" und einem Ausflug nach Bronxville (ein niedliches Städtchen nördlich der Bronx in der JFK für einige Zeit gelebt und sein Bruder Ted geheiratet hat) habe ich einen Spontantrip nach Boston unternommen. Mein TA-Kumpane Ben hat mir erzählt, dass es übers Wochenende dorthin fährt und ich habe noch am selben Abend ein Ticket für $15 gebucht und mich am nächsten Morgen in einem Chinatown-Bus gen Boston bewegt. Zwar war ich nur 3 Tage weg, aber es war wirklich schön einmal rauszukommen und etwas Natur zu sehen. Allein die Busfahrt dorthin war wunderschön, da es weiter nördlich jetzt die Zeit des Indian Summers ist und die Wälder in allerlei Farben leuchten. Am Ziel angekommen (die Fahrt war lediglich 4 Stunden) verbrachten wir den gesamten Tag in der Stadt. Genächtigt haben wir bei einer anderen TA-Kollegin aus Italien, die übers Wochenende verreist war und uns freundlicherweise ihr Zimmer in einem kleinen College in der Nähe von Boston überlassen hat. Mit dabei waren noch eine andere TA aus Israel und ein TA aus Italien. Die beiden haben sich das Mini-Bett geteilt, Ben hat auf dem Boden geschlafen und ich hatte den Luxus, auf der einzigen Luftmatratze schlafen zu dürfen! Frisch und munter machten wir uns also am nächsten Morgen auf den Weg nach Cape Cod. Hier gingen am 11. November 1620 die Pilgerväter erstmals an Land und gründeten das heutige Provincetown. Gegenwärtig ist Provincetown ein Urlaubsort der Schönen und Reichen. U.a. hatte JFK (der schon wieder) hier während seiner Zeit als Präsident ein Sommerhaus und auch der gute Norman Mailer verweilte einige Zeit in P-town. Übrigens wird hier auch der berühmte Cranberry Anbau betrieben, bei dessen Ernte die Felder mit Wasser geflutet werden und die obenauf schwimmenden Früchte dann eingesammelt werden. Weiterhin gilt Cape Cod als eine der gay-friendliest communities in den USA. Gleichgeschlechtliche Paare können hier unbekümmert heiraten oder ihre Flitterwochen am Meer genießen. Den nächsten Tag verbrachten wir in Providence, wo noch andere TAs aus der Gegend zu uns stießen und mit uns Cheescake in der Cheescake Factory genossen. Viele von euch denken bei dem Wort "Providence" bestimmt an die Fernsehserie aus den 90ern. Aber die Stadt ist auch bekannt für die Brown University und die Herstellung von Schmuck und Besteck (na gut, das wars dann aber auch schon...). Mit dem Zug fuhr ich allein zurück nach Boston und verbrachte dort noch ein paar schöne Stunden mit Bummeln durch die Altstadt und Teetrinken (natürlich ein Muss in Boston). Zurück in New York geht es mit der Arbeit weiter und ich mach mich ans Schreiben meiner längst fälligen Hausarbeit für Potsdam, die spätestens zu Semesterbeginn in Griebnitzsee sein muss ...



Book Fair



Feliiii in town






Bronxville



State Capitol Providence



Ausruhen im State Capitol






Cheescake Factory



Cape Cod



Cape Cod



Pilgrims das erste Mal an Land



Strand



Strand



Herbsternte



Cranberry Ernte



hihi



Die Vorgartendekoration ist leicht schwul in Cape Cod



Blätter



Indian Summer



Frühstück on the Road



Teetrinken in Boston



leckaaaa



State House Boston



Essbarer Weihnachtsbaum



Olle Washington



T-Train



Boston


Hafen und ich



Hafen



Hafen



Farmer's Market

Mittwoch, 23. September 2009

11. September, Bloomberg und Tomte

Dass ich mich hier nun schon ziemlich gut eingelebt habe und mein hiesiges Leben schon als "Alltagsstress" bezeichnen kann, lässt sich anhand der geringer werdenden Frequenz meiner Blogeinträge sehen. Kurz gesagt: Leute, es tut mir leid, dass ich mich so selten melde. Ich gelobe Besserung!
Ein erwähnenswertes Ereignis der letzten Wochen ist der 8. Jahrestag der Anschläge vom 11. September. Ihr konntet die (sagen wir mal eher popligen) Feierlichkeiten dazu sicherlich auch im Fernsehen verfolgen. Ich hatte generell den Eindruck, dass der Patriotismus (im Vergleich zu meinem Aufenthalt hier vor 7 Jahren) doch stark abgeebbt ist. Aber an diesem Tag in New York City zu sein, hat mir doch etwas Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. Ich bin mit meinen Mädels zu einer "Memorial Mass" auf dem Campus gegangen und danach nach Manhattan zum gepflegten Philosophieren über die Geschehnisse bei einem gut gekühlten Getränk (Bier;) gefahren.
Wenn wir schon bei Thema Politik sind: Ich war letzte Woche auf der Primary Night von Bloomberg. Das sind sozusagen die Vorwahlen zu den Bürgermeisterwahlen in New York. Klingt unspektakulär, ist aber eine große Sache hier. Vor allem deshalb, weil Mr. Bloomberg schon 2 Amtszeiten regiert hat und nun einfach mal die Verfassung veräppeln will, um noch eine dritte Amtsperiode im schönen New York verbringen zu können. Aber er ist auch einfach so toll! Dynamisch, toller Musikgeschmack (J.Lo und 50 Cent - damit kriegt er sowie die Latinos als auch die Afro-Amerikaner auf seine Seite) und der Mann arbeitet für nur einen ganzen Dollar im Jahr, was er auch immer gern wieder in seinen Reden betont. Aber keine Angst, der Mann verhungert schon nicht, er ist einer der reichsten Menschen in den USA. Und zu seiner Primary Night gab es eine große Party mit Musik, Tanz und "Open Bar". Das mag etwas wie Wählerkauf klingen, ist aber ein tolles Konzept für kleine deutsche Politikstudentinnen wie mich, die nur mal kurz in die Amerikanische Politik schnuppern wollen. In Deutschland werden mir jedenfalls nur langweilige Fernsehdebatten und verspätete Briefwahlunterlagen geboten...
Ein weiteres Highlight meiner Woche: TOMTE (für die etwas älteren Leser: das ist eine Musikkapelle) in der Musikhall of Williamsburg, das liegt im hippen Stadtteil Brooklyn. Hier haben sie als Vorband für eine amerikanische Gruppe gespielt, die ich nicht kannte. Aber das war mir auch egal, denn ich hatte Tomte quasi für mich allein. Und nach dem Konzert stand Thees Uhlmann ganz allein an der Bar und ich konnte mir die Chance nicht entgehen lassen ihn anzusprechen, auch wenn mir sowas immer peinlich ist. Thees ist aber ein sehr netter Zeitgenosse und hat mir erstmal ein gut gekühltes Getränk (Bier;) ausgegeben!
Gestern war ich bei einem "Fulbright Welcome Social" in einer schicki-micki Bar in Manhattan. Hier habe ich viele Artgenossen (viel zu viele Deutsche), aber auch ehemalige Fulbrighter getroffen. u.A. einen UN-Diplomaten aus Singapur, der mir angeboten hat die UN zu zeigen, und zwar die Orte, die der Otto Normalturist nie zu Gesicht bekommt.
Neben diesen zugegebenermaßen leicht angeberisch klingenden Ereignissen unternehme ich aber auch Dinge, die man als Student halt so macht: Ich gehe in die Uni, arbeite viel, treffe mich mit Freunden (ich habe hier erfolgreich das "Kaffee und Kuchen-Konzept" eingeführt), gehe auf Einweihungspartys und mache DVD-Abende mit meinen Mitbewohnerinnen.




Rebecca und Daniel




Emily



Einweihungsparty in der East Village



Mayor Bloomberg höchstpersönlich



Die zukünftige Starjournalistin Reney






Die Leute vom Uniradio



Tomte on stage



hach, wie schöööön



Ausblick aus dem Büro des DAAD, der unserem Institut freundlicherweise 10 Boxen voll mit deutschen Büchern spendiert hat, die ich von Südmanhattan per Taxi in die Bronx transportiert habe



Washington Square Garden (jeder hier sieht so aus wie ein versteckter celebrity)








Blick aus dem obersten Stock des "Museum of Contemporary Art"

Montag, 7. September 2009

Auf die Plätze - fertig - Unibeginn!

Nachdem das Ende des Semesters nochmal ordentlich von allen Grad Students gefeiert wurde (auf dem Dach der Bibliothek) begann nun am Mittwoch (endlich?) die Uni. Nicht nur die Arbeit im German Department ging nun offiziell los, sondern auch meine eigenen Kurse haben begonnen. Ein normaler Grad Student belegt maximal 4 Kurse im Semester. Da ich ja als "Non-Degree" student hier bin und nebenbei auch noch ein klitze-kleines-bisschen arbeiten muss, belege ich 2 Kurse. Und die haben es in sich. Das ist hier nicht so wie in Deutschland, dass man sich in die Vorlesung setzt, seinen Kaffee trinkt und wieder nach Hause geht (nicht das ich jemals auf diesem Niveau studiert hätte;). Hier in den USA kommt man vorbereitet in den Unterricht. Und das heißt, dass man alle Texte gelesen hat (pro Woche einen Roman oder 2 Fachbücher) und sich dazu noch ausführlich in irgendwelchen "Opinion Papers" geäußert hat. Das Seminar an sich ist i.d. Regel 3 Stunden lang und da die Kurse sehr klein sind (ca. 10 Studis) muss man sich wohl oder übel ab und zu auch mal an der Diskussion beteiligen... Mein einer Kurs ist ein Literaturkurs und heißt: "Hip Hop Street Literature Narratives" (wird von einem super-coolen 60-jährigen Weißen unterrichtet) und mein anderer Kurs heißt: The American Political Behavior" (Professor ist ein gestriegelter Harvard Absolvent, der schon in Hillary Clintons Wahlkampf mitgemischt hat). Zur Zeit hab ich noch ein wenig Bammel vor dem Arbeitsaufwand aber mal schauen wie sich alles entwickelt.
Ansonsten habe ich in der letzten Woche nicht nur in der Uni sondern auch an meinen sozialen Kontakten gearbeitet. Mittwoch bin ich mit den Mädels zu Ikea gefahren und den dort gekauften Schreibtisch in einer halsbrecherischen Aktion in die Bronx zurück transportiert (siehe Foto). Bei jedem Huppel auf der Straße schrieen wir auf und hatten Angst, der Tisch würde aus dem Kofferraum rutschen, denn er war nur mit ein paar billigen Ikea-Schnüren befestigt... Hat aber zum Glück alles geklappt, puuh.
Am Donnerstag Abend gab es eine Willkommensparty für alle im Haus wohnenden Studenten und ich konnte endlich mal sehen, mit wem ich hier so Wand an Wand wohne. Es waren viele echt super nette Leute dabei und wir haben noch bis spät in den Abend gefeiert. Freitag früh bin ich an den Campus nach Manhattan gefahren, habe dort die Deutschkurse besucht um mich vorzustellen und meine erste Sprechstunde abgehalten. Abends bin ich dann mit meiner Mitbewohnerin Kim und 2 Jungs aus dem Haus zum Fußballspiel der Fordham Soccer Women gegangen. Leider haben sie verloren (gegen Syracuse), was für uns aber kein Grund war den Rest des Abends Trübsal zu blasen;)
Den Labor-Day Samstag verbrachte ich (mit 700 Millionen anderen Menschen) in Manhattan und ich sah die Freiheitsstatue zum ersten Mal. Es klingt nach Cliché, aber es war echt beeindruckend, v.a. da wir ungeplanterweise genau zum Sonnenuntergang dort waren.
Den Sonntag habe ich mit den besseren Menschen dieser Welt verbracht. Und zwar bin ich mit Kim (die luxuriöserweise ein Auto besitzt) nach Long Island gefahren und habe dort mit vielen reichen Geschöpfen am Strand gelegen. Sie sahen aber gar nicht so reich aus. Danach waren wir bei ihren Großeltern, die (im Verhältnis zum Rest) ein kleines Häuschen mit Pool in der Nähe der Hamptons besitzen. WIr ließen uns bedienen und beköstigen und fühlten uns pudelwohl:)
Zurück in der Bronx verbringe ich den Labour-Day mit Menschen deren Geldbeutel dem meinen entspricht und lass mir das BBQ draußen im Garten schmecken.




IKEA-Aktion



Blick auf Manhattan










leicht kitschig



Fortbewegungsmittel der Schönen und Reichen




Long Island






Haus und Pool



Mein Roomi Kim



Mit der Kapitalistischen Cola-Dose in der Hand